
CEWE Fotoschule
Bilder gestalterisch einrahmen
Wenn Sie Ihre Lieblingsfotos großformatig drucken und rahmen, können Sie aus einer Vielzahl von Rahmen, Rahmenfarben und -formaten wählen. Aber warum lassen wir Bilder überhaupt einrahmen? Die Antwort ist einfach: Ein Rahmen gibt dem Bild mehr Gewicht, er wirkt als Begrenzung nach außen und fokussiert den Blick nach innen. Genau dieses visuelle Phänomen können Sie bereits beim Fotografieren als Stilmittel nutzen.
In der CEWE Fotoschule erläuterte ich Ihnen, wie Sie durch kreatives Einrahmen Ihre Fotos aufwerten können.
- Natürliche Rahmen nutzen: Verwenden Sie Elemente wie Türrahmen, Fenster oder Äste, um Ihr Hauptmotiv einzurahmen und den Blick des Betrachters gezielt zu lenken.
- Licht und Schatten einsetzen: Nutzen Sie Schatten oder Lichtstrahlen, um interessante Rahmen um Ihr Motiv zu erzeugen und so die Bildwirkung zu verstärken.
- Unschärfe als Rahmen: Setzen Sie gezielt Unschärfe im Vordergrund ein, um Ihr Motiv hervorzuheben und dem Bild mehr Tiefe zu verleihen.
Diese Techniken helfen dabei, Fotos spannender zu gestalten und den Fokus auf das Wesentliche zu lenken.
Beim sogenannten Framing suchen Sie sich ein Objekt im Vordergrund, das Ihr eigentliches Motiv einrahmt und es so mehr in den Mittelpunkt stellt. Der Blick wird dadurch stärker auf das Wesentliche im Foto gelenkt. Als Rahmenobjekte im Vordergrund werden oft Durchblicke wie Türen, Fenster, Torbögen, Äste, Felsbögen verwendet, aber auch Säulen, Menschen, Häuser etc. können Ihr Motiv einrahmen. Zudem können nachträglich in der Bildbearbeitung eingefügte Vignettierungen an den Rändern als Rahmen wirken.
Dr. Micha Pawlitzki ist einer der besten europäischen Naturfotografen. Er kreiert faszinierende Natur- und Landschaftsfotos auf höchstem Niveau. Im CEWE Kundenmagazin FOTOZEIT gibt er als Gastautor der Fotoschule Einblicke in die Bildkomposition der Profis. Weitere Informationen über seine Arbeit finden Sie am Ende dieses Artikels.
In diesem Bild rahme ich zum Beispiel mit einem Häuserschatten einen zweiten (Menschen-)Schatten inklusive der dazugehörigen Person ein. Diese Person ist zwar sehr klein, aber über ihre Einrahmung und über die ebenso (von den Häusern) eingerahmte Sonne werden Betrachtende immer genau dorthin schauen. Die umgebende Architektur ist nicht mehr als schönes Beiwerk.
Im zweiten Motiv zeige ich Ihnen nun die beiden Kardinalfehler, die Sie beim Framing machen können. Ich habe diesen gezackten, sehr ungewöhnlichen Felsbogen an der Küste Kaliforniens gefunden. Eigentlich ein genialer Außenrahmen. Aber zum einen ist dieser Steinbogen zu dunkel belichtet und ist so in der Gesamtwirkung eher bedrückend und lenkt vom eingerahmten Objekt mehr ab, als dass er es betont. Hier kann eine HDR-Aufnahme oder eine nachträgliche Aufhellung helfen. Der zweite und wichtigere Fehler: Das zentrale Motiv, der Steinhaufen im Mittelpunkt der Aufnahme, ist visuell unattraktiv. Achten Sie darauf, dass Ihr eingerahmtes Motiv immer signifikant ist.
In meinem dritten Bild rahme ich den Berliner Fernsehturm mit den Ästen eines Baumes ein. Der Rahmen (Äste, 5 Meter entfernt) ist hier deutlich näher an mir als das Motiv (Turm, 368 Meter hoch), wodurch eine dynamische Komposition mit räumlicher Tiefe entsteht. Sie können die Äste im Vordergrund unscharf lassen, indem Sie eine kleinere Blende verwenden. Sollen die Äste so scharf wie das Hauptmotiv abgebildet werden, muss die Blende auf 16 oder 22 eingestellt werden.
Im diesem Bild rahmen Verstrebungen, Schatten und eine runde Form im Hintergrund den Fahrradfahrer ein. Trotz vieler Details bleibt das Bild durch eine ausbalancierte Platzierung und die markante Silhouette des Radlers ruhig und fokussiert.
5 Tipps vom Foto-Profi:
1. Rahmen gibt es überall!
Fenster, Türen, Höhlen, Äste etc. – das sind die Klassiker für fotografisches Framing. Aber es gibt so viel mehr natürliche und künstliche Rahmen –suchen Sie gezielt Durchblicke, die Sie als Framing nutzen können!
2. Das eingerahmte Objekt muss signifikant sein
Selbst der schönste Bildgestaltungsrahmen bringt Ihrem Motiv nichts, wenn das eingerahmte Objekt langweilig, schlecht erkennbar oder ungünstig platziert ist. Seien Sie eindeutig und wählen Sie nur signifikante, klare Objekte, die Sie visuell einrahmen.
3. Spielen Sie mit der Tiefenschärfe
Gestalten Sie flexibel in der Wahl Ihrer Tiefenschärfe. Auch wenn bei der Mehrheit der Motive eine größere Tiefenschärfe Klarheit ins Bild bringen wird, können Sie durchaus einmal mit einem unscharfen Rahmen experimentieren.
4. Die Belichtung anpassen
Bei vielen Bildern wird der Kontrastumfang von umgebendem Rahmen und dem eingerahmten Hauptmotiv groß sein. Eventuell müssen Sie hier mit HDR-Aufnahmen arbeiten oder nachträglich den Rahmen in der Bildbearbeitung so anpassen, dass er ausreichend Zeichnung erhält.
5. Geschickt mit Größenverhältnissen arbeiten
Beim Framing ist der Rahmen im Vordergrund immer sehr nah an der Kamera. Dementsprechend verschiebt sich visuell die Größendimension zwischen Hauptobjekt und Rahmen. Nutzen Sie gezielt diese räumliche Perspektive für ungewohnte Sichtweisen.
Haben Sie schon die anderen Teile der CEWE Fotoschule gelesen? Micha Pawlitzki erklärt hier die Bildgestaltung mit Linien, Punkten und Flächen, sowie das Fotografieren im Goldenen Schnitt – und mittig. Im nächsten Teil der Serie lesen Sie: Gestalten mit Licht.
Viel Freunde beim Ausprobieren wünscht Ihnen
Ihr Team von CEWE